Wir tauschen Fassade gegen ehrliche Bestandsaufnahme. „Alles super“ zu mimen, bringt dich nicht weiter – weder in der Bewerbung noch im Vorstellungsgespräch. Wer Schwachstellen benennt, beweist Reflexionsfähigkeit und schafft Platz für echtes Potenzial.
In der Beauty-Branche ist der schöne Schein unser täglich Brot. Doch wenn es um deine berufliche Zukunft geht, ist die „Alles-Super-Fassade“ oft eine Sackgasse. Sie sorgt dafür, dass du in Jobs landest, die gar nicht zu dir passen, oder in Abläufen feststeckst, die dich permanent ausbremsen.
Vielleicht ist dir das auch schon einmal passiert: Du hast jemanden auf einer Dating-Plattform kennengelernt, das Profil war perfekt, dann das erste Treffen im wahren Leben und schon nach wenigen Minuten denkst du: „Das hätten wir uns beide sparen können.“
Genau so ist es auch bei Bewerbungen, Vorstellungsgesprächen oder Team-Meetings. Wo wir uns, unseren Standpunkt oder unsere Fähigkeiten nicht authentisch präsentieren, kommt am Ende oft ein frustriertes „Hätte man sich sparen können“ raus. Warum? Weil eine nette Fassade auf Dauer eben doch kein fehlendes Match kaschiert.
Viele von uns haben Angst, sich bloßzustellen. Wir denken, wir müssten die eierlegende Wollmilchsau sein: Top-Umsätze, perfekte Warenpflege, Kommunikationsprofi durch und durch, Multitasking-Genie und immer gute Laune. Aber: Wer vorgibt, alles zu können, bekommt keine Unterstützung. Wer seine Baustellen versteckt, kann sie nicht reparieren.
Bitte nicht faken! Du hast eine Lücke im Lebenslauf oder ein Tool noch nie bedient? Sprich es aus. Ein ehrliches Statement zu deinen Entwicklungspunkten lässt deine tatsächlichen Talente doppelt so hell strahlen. Ein klares „Das kann ich noch nicht, aber ich brenne darauf, es zu lernen“ ist tausendmal attraktiver als ein schwammiges „Ja, schon mal gehört“.
Im Retail (Counter & Parfümerie): Gerade am Counter wird oft erwartet, dass man alle Inhaltsstoffe auswendig kennt. Aber: Authentische Beratung schlägt gelernte Floskeln.
Formulierungshilfe: „Mit dieser speziellen Nischenmarke habe ich bisher noch nicht aktiv gearbeitet. Da ich aber ein absoluter Fan von High-End-Düften bin und mich extrem schnell in neue Sortimente einarbeite, freue ich mich darauf, mein Markenwissen hier in den ersten Tagen gezielt zu vertiefen.“
Im Vertrieb (Außendienst & Key Account): Im Sales riechen erfahrene Manager „Fake-Expertise“ sofort. Hier punktest du durch Strategie.
Der Mustersatz: „Ich habe bisher primär Bestandskunden im Fachhandel betreut, die Neukundenakquise im Apotheken-Sektor ist für mich ein neues Terrain. Ich bringe die nötige Hartnäckigkeit und Sales-Erfahrung mit (belegt durch meine bisherigen Quoten) und freue mich darauf, meine Strategien auf diese neue Zielgruppe zu adaptieren.“
Als Kosmetiker:in oder Friseur:in: Apparative Kosmetik, neue Wirkstoffe oder Farbtrends entwickeln sich rasant. Niemand kann alles ab Tag 1.
Der Mustersatz: „Mit diesem speziellen Treatment hatte ich bisher wenig Berührungspunkte. Da ich aber fundierte Erfahrung in der klassischen Wirkstoffkosmetik mitbringe und mich bereits in die Theorie eingelesen habe, freue ich mich darauf, die Anwendung in einem Training zu perfektionieren.“
Ein Interview ist kein Verhör, sondern ein Realitäts-Check für beide Seiten. Nutze das Gespräch für deinen eigenen Check-up: Frag nach den Details, die nicht in der Anzeige stehen, aber deinen Alltag bestimmen. Trau dich, den Dingen auf den Grund zu gehen. Stell die Fragen, die darüber entscheiden, ob du morgens wirklich gerne zur Arbeit gehst.
Beispiel: „Wie geht das Team damit um, wenn es am Samstag brennt und zwei Leute krank sind?“ oder „Gibt es Unterstützung, wenn ich mich bei schwierigen Reklamationen unsicher fühle?“
Das ist keine Schwäche, sondern zeugt von hoher Reflexionsfähigkeit – eine Eigenschaft, die Top-Arbeitgeber extrem schätzen.
„Alles läuft“ ist oft die größte Lüge im Meeting. Wenn Abläufe im Store, im Vertrieb oder in der Kabine haken, bringt es nichts, den Frust runterzuschlucken. Sprich es konstruktiv an – dein ehrliches Feedback zählt. Nur wer die Bremse benennt, gibt dem Team die Chance, sie zu lösen.
Formulierungshilfe: „Ich merke, dass mich Prozess X gerade Zeit kostet, die mir bei der Beratung meiner Gäste fehlt. Können wir uns das gemeinsam ansehen?“
Wer Schwachstellen anspricht und gleichzeitig zeigt, dass er motiviert ist, sich neue Dinge anzueignen, beweist wahre Stärke. Tausche das „Hätte man sich sparen können“ gegen ein „Das passt wirklich“.
Suchst du einen Job, in dem du nicht mehr faken musst? Auf Beautyjobagent suchen Unternehmen echte Talente, die Lust haben zu lernen – keine retuschierten Lebensläufe.